update: 18-Jul-2012 15:31
Aktionen
 
 
 
Aktion KIG Update:
Registrieren Sie
Ihre E-Mail
für das elektronische Mitteilungsblatt der Aktion Kinder in Gefahr mit regelmäßigen Nachrichten über Jugendmedienschutz, Familienpolitik, Aktionen.

Zugestellt von FeedBurner

 
 
 
 
   

Mehr Werteorientierung im Medienschutz

Mathias von Gersdorff

Von Zeit zu Zeit flammt die Diskussion über die sog. gewaltverherrlichenden Computerspiele im Stile von „Counterstrike“ wieder auf, zuletzt aufgrund des Amoklaufs in Emsdetten. Die Reaktionen von Politikern, von Medien und von Wissenschaftlern sind jedes Mal ungefähr gleich. Auf der einen, konservativen Seite, überwiegt die Meinung, daß diese Spiele verboten oder zumindest stark eingeschränkt gehören, weil sie die Kinder und die Jugendlichen desorientieren. Auf der anderen Seite stehen solche, die die Meinung vertreten, man könne die Wirkung der Computerspiele gar nicht richtig messen, die Verhaltensforschung sehr unsichere Ergebnisse liefere und daß Computerspiele allein nicht zu Tragödien wie der Amoklauf von Emsdetten führen können – es gehören andere Faktoren dazu, wie die soziale Umgebung, die psychische Belastbarkeit, der Zustand der Familie usw.

In der Tat ist die Anzahl von (realen) Gewalttaten, die von Computerspielern begangen werden, sehr gering. Die Gegner einer Verschärfung des Jugendmedienschutzes haben sozusagen die Statistiken auf ihrer Seite. Einige von diesen gehen noch weiter und argumentieren, die Schuldigen seien eigentlich der Kapitalismus und die Marktwirtschaft, denn durch sie würden die tiefsten Instinkte freigesetzt. Der Markt sei so etwas wie ein Dschungel, in dem es keine Gesetze gibt und deshalb solche Reaktionen wie Amokläufe fördert. Ergebnis: Nur der Sozialstaat kann die Probleme lösen, denn auf diesem Wege werden die asozialen Jugendlichen, die für Counterstrike & Co. anfällig sind, in die rechte Bahn gebracht. In diesem Modell ist der Sozialstaat der Garant für die Zivilisation, und ohne Sozialstaat landen wir in der Steinzeit.

Wenn es um die sog. gewaltverherrlichenden Computerspiele geht, ist die öffentliche Diskussion besonders erhitzt. Doch es finden auch in anderen Bereichen des Jugendmedienschutzes Debatten mit einem ähnlichen Muster statt.

Zum Beispiel hinsichtlich der Sexualität. Die Jugendzeitschrift „Bravo“, in der fast jede Woche nackte Jugendliche beim Geschlechtsverkehr gezeigt und die absurdesten Sexualpraktiken erläutert werden, spaltet auch die Geister: Die Wertkonservativen meinen, diese Zeitschrift desorientiere Kinder und Jugendliche, und der Jugendschutz müsse stärker regulierend eingreifen können. Diejenigen der Gegenseite, auch wenn sie akzeptieren, daß eine „Sexualaufklärung à la Bravo“ bedenkliche Seiten besitzt, weisen auf die Unkenntnis der Wirkung solcher Medienprodukte hin. Andere führen sogar an, Kinder und Jugendliche seien durchaus in der Lage,  moralisch zu unterscheiden und sich nicht desorientieren lassen.

Ein ähnliches Muster verfolgen die Debatten über Erotik und Gewalt im Fernsehen, über Blasphemie (wenn es um die Wirkung auf Jugendliche geht, denn meistens geht um es strafrechtliche Aspekte bzw. Persönlichkeitsrechte), über die Zurschaustellung von Nacktheit in Zeitschriften, vor allem auf Deckblättern, die von Kindern in Kiosken, in Tankstellen usw. gesehen werden können, um Spielzeuge usw.

Diese Diskussion hat zu wenigen Ergebnissen geführt, und das allgemein verbreitete Gefühl, daß man in Deutschland mehr oder weniger alles erlaubt, ist nicht ganz unberechtigt.

Das liegt unter anderem daran, daß, während auf politischer Ebene es bei der Diskussion bezüglich des idealen Jugendmedienschutzes um Ursache und Wirkung von bestimmten Medienprodukten geht, es beim „Menschen auf der Straße“ um die moralische oder die ethische Wertung bestimmter Produkte geht, egal was für eine Wirkung sie haben.

Wenn eine Person der Meinung ist, die Erotik bei „Bravo“ und die Gewalt bei Counterstrike seien schlecht, erwartet sie von der Politik Einschränkungen, unabhängig davon, ob es schließlich zu Amokläufe und schwangeren Mädchen kommt oder nicht.

So denken natürlich vor allem Menschen, die sich ihre Meinungen aufgrund von religiösen und moralischen Grundlagen bilden. Diese haben auch die größte Motivation zum protestieren.

Natürlich richtet sich der Jugendmedienschutz auch nach Werten und nach Prinzipien. Doch nur in Fällen wie Rassismus, Nationalsozialismus und extremer Pornographie wird stringent nach dem immanenten moralischen Übel beurteilt, ansonsten „wägt man ab“, und zwar nach einer Vielzahl von Kriterien: Die schon besprochene Wirkung, die aktuellen Wertevor-stellungen (angeblich akzeptiert „man“ heute mehr Nacktheit als früher), Meinungs- und Kunstfreiheit usw.

Ergebnis: Damit schließlich ein Medienprodukt verboten wird, muß es selbst für den Liberalsten der Liberalen haarsträubend sein, was sich natürlich mit der Zeit verändert.

Spätestens hier erkennt man die Schwäche unseres liberalen Staates. Wenn man eine Nation mit dem blinden Glauben aufbaut, der aufgeklärte Mensch wisse immer, was gut und was schlecht ist, schafft man schließlich die Bedingungen, damit dieser Staat zerstört wird. Ein Staat, selbst ein säkularer, der also keine bestimmte Konfession vertritt, darf trotzdem nicht wertfrei sein. Er muß gewisse Werte vertreten und verteidigen, zumindest, um sich selbst zu schützen und einen gewissen Wertekonsens in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Ansonsten kann er kaum überleben.

Auf den Jugendmedienschutz bezogen, heißt das, daß wir eine stärker werteorientierte Beurteilung von Zeitschriften, von Fernsehsendungen, von Computerspielen und sonstigen Medienprodukten brauchen – für die Kinder und die Jugendlichen, für die Familien, für den Staat.

 
Stoppt endlich Bravo!

Bundesweite Protestaktion von
"Kinder in Gefahr" gegen die sog. Jugendzeitschrift Bravo.

Nehmen Sie an dieser Aktion teil


www.aktion-kig.de - © 2004 - 2009 by DVCK e.V. All rights reserved.