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Horror- und Gruselliteratur in Heftromanen
Mathias von Gersdorff

Viele Kinder und Jugendliche dringen in die Welt des Horrors durch sog. Horror-Heftromane ein, die man an jedem Zeitungskiosk für wenig Geld kaufen kann. Die Romanreihen haben denselben Held und seine Helfer, der jedesmal einer neuen Herausforderung von Wesen aus der Hölle gegenübersteht und diese besiegt. Die Romane sind also Serien, wodurch eine sehr große Identifikation der Leser mit den Hauptfiguren erzeugt wird. Die Leser werden zu regelrechten Fans der Serien und fiebern der Erscheinung des nächsten Heftromans entgegen. Die meisten Leserrezensionen bei Amazon sind geradezu euphorisch:

„Ich les’ erst seit kurzen JS-Bücher, aber sie sind Spitze! Ich rate jedem, dem es so wie mir geht, dass er die Bücher total schnell verschlingt, sich auch dieses zuzulegen, denn es ist wirklich spannend. Vor allem schafft es Jason Dark einen immer wieder zu überraschen und es spannend zu erzählen, obwohl er schon so viel geschrieben hat. Also: KAUFEN! (John Sinclair, Grauen aus der Hölle).“

„Es erklärt wie John Sinclair sich in große Gefahren begibt und diese bravourös meistert. Er weiß, daß es immer wieder knapp sein wird aber bewahrt die Nerven. Mega-krasses Buch!!! (John Sinclair, Im Haus der Angst)“.

„Satans Welt war mein erster Kontakt mit John Sinclair. Ich finde es wirklich erstaunlich wie man solche Geschichten zu ausführlich beschreiben kann. Schließlich macht J.S. in diesem Band einen Besuch in der Hölle. Ich kann jedem der sich mal in einer völlig anderen Welt bewegen will, raten, dieses Buch zu kaufen. Ich habe mir selbst noch mehr gekauft :-))(John Sinclair, Satans Welt).“

„...wie ich es bin ist dieses Buch absolut Pflicht. Wie immer werden einige Spötter sagen das das die Geschichten platt und die Personen blas sind aber das stört mich nicht. Es ist einfach das besondere an Darks Schreibstil der die Herzen eines jeden Fans höher schlagen lässt. Wie immer nimmt der Autor auch Bezug auf frühere Geschichten was das ganze Buch fast wie aus einem Guss wirken lässt. (John Sinclair. Dämonenehre).”

Entsprechend der Terminologie von Professor Walter Nutz, eines der wichtigsten wissenschaftlichen Analysten dieser Art von Literatur, gehören die Heftromane zur sogenannten Trivialliteratur. Üblicher ist der Ausdruck Groschenromane, Schundromane und in früheren Zeiten Kolportage- oder Hintertreppenromane. Insbesondere der Ausdruck Hintertreppenliteratur schildert sehr gut, wie früher (und heute noch) diese Romane gesellschaftlich bewertet wurden: Diese Geschichten wurden in den Großstädten von Tür zu Tür verkauft. Allerdings klingelte der Verkäufer nicht an der Haupttür, sondern ging in die inneren Höfe, wo sich die Hintertreppen der Wohnungen bzw. Wohnhäuser befanden, die zur Küche und zu den Schlafzimmern des Dienstpersonals führten, denn diese Romane wurden insbesondere von den Dienstmädchen gelesen. Heute werden diese Romane in den Zeitungskiosken oder Bahnhofsbuchhandlungen verkauft. Vor einigen Jahren betrug in Deutschland die Auflage aller dieser Romane zusammen etwa 300 Millionen jährlich!

Die Trivialromane sind normalerweise genormte Produkte, d.h., sie haben bestimmte Eigenschaften, die in jeder Episode gleich sind. Die Leser können sich so sehr schnell in die Handlung einfinden und identifizieren sich mit dem oder den Hauptpersonen stark, so daß sie Woche für Woche die Episoden ihres fiktiven Lebens verfolgen. Aus diesem Grund bilden die Leser mancher Romanserien so etwas wie eingeschworene Gemeinschaften. Die Figuren teilen sich sehr klar in gute und böse Figuren, die fast immer stereotypisch dargestellt werden. Das Schema muß durchgängig schwarz-weiß sein, die Guten sind uneingeschränkt gut (im Sinne der immanenten Moralvorstellungen der Romanserie), die Bösen sind abgrundlos schlecht. Diese Romane werden nicht mit literarischen Ansprüchen gelesen, sondern dienen rein der Unterhaltung. Deshalb sind die Sprache und der Stil so gewählt, daß sie einfach und schnell zu lesen sind, auch für Leser mit niedrigem Bildungsniveau. Die Sätze sind kurz und grammatikalisch einfach. Viele Eigenschaften der Personen werden nicht irgendwie geschildert sondern schlichtweg statuiert. Insbesondere wird kaum versucht, die inneren Vorgänge der Personen irgendwie an äußeren Erscheinungen festzumachen; bestenfalls dienen sie, die plakative Schilderung zu verstärken. Beispiel: "Er hatte sehr viel Angst, er zitterte am ganzen Körper", oder "Sie fühlte sich unsicher und fing an zu stottern". In der "gehobenen" Literatur ist der Autor sehr selten allwissend, sondern muß die inneren Vorgänge in den Menschen veranschaulichen und nicht schlichtweg sagen.

Die bekannteste Serie von Gruselheftromanen ist John Sinclair, vom Autor mit dem Pseudonym Jason Dark, mit einer Episodenzahl von über 1500. Verleger ist Bastei Lübbe. Es sind recht einfach gestrickte Geschichten, mit viel "Action" und vielen Kämpfen, die am Ende John Sinclair, der Dämonenjäger, über die Mächte der Finsternis, siegreich besteht. Nicht nur der Hauptdarsteller John Sinclair ist in allen Heften präsent, sondern auch mehrere seiner Helfer bzw. Vorgesetzte bei Scotland Yard, ein großer Teil der "Bösen" und auch der erscheinenden Waffen, Gebäude, Autos usw. Auf diese Weise kann sich der regelmäßige Leser sehr schnell in die Handlung hineinversetzen und weil gewisse Gegner von John Sinclair nie sterben und in vielen Episoden auftreten, gibt es Handlungslinien, die nie aufhören, etwa wie bei den Soap Operas oder den Telenovelas.

Obwohl diese Romane als Gruselgeschichten verkauft werden, sind sie in Wahrheit eine Mischung von vielen Genres: Abenteuer, Fantasy, Krimi und sogar leichte Erotik. Es gibt zwar keine expliziten Szenen, doch viele Andeutungen und auch die Handlung enthält viele erotische Elemente, was insbesondere in Anbetracht der Tatsache, daß sich diese Heftromane an ein sehr junges Publikum richten, von Bedeutung ist. Eine Amazon Rezensentin schreibt beispielsweise über das Band Hexenküsse: "Einer der besten Horror-Romane, die ich gelesen habe. Nicht nur für Fans der Serie, sondern für alle Horror-Fans ein Muß. Drei Dienerinnen der Urdämonin Lilith locken ihre Opfer in einem Edel-Bordell in die Falle. Zum ersten Mal bekommt es John Sinclair mit der Geliebten Luzifers zu tun: Lilith, die erste Hure des Himmels, und sie scheint sogar stärker zu sein als seine stärkste Waffe, das Kreuz."

Die Heftromane der Reihe John Sinclair würden als Krimis gelten, wenn die Figuren nicht aus dem Gruselkabinett stammen würden. John Sinclair ist sogar ein Detektiv von Scotland Yard, der in jeder Episode einen neuen "Fall" lösen muß. Doch hier geht es nicht um menschliche Mörder oder Räuber, sondern eben um Wesen aus der Hölle. Dieser Situation sind auch die Waffen angepaßt. Die wichtigste ist eine Pistole "Beretta" mit geweihten Kugeln. Natürlich nutzen auch sämtlich üblichen Artikel, um gegen die Dämonen und Vampire zu kämpfen: Kreuze, Weihwasser, Knoblauch usw. Wenn es schließlich zum Kampf kommt, handelt es sich um regelrechte Prügeleien oder Schießerein, wie in jedem anderen Krimi auch.

Die Gruselromane im Heftformat sind in Deutschland als Sub-Genre der Krimis Ende der 60er Jahre entstanden. Die ersten Romane von Bastei Lübbe dieser Art waren die sog. "Silber-Grusel-Krimis" vom Autor Dan Shocker. Sie erschienen am Anfang in größeren Abständen innerhalb der Krimi-Reihe und es dauert etliche Jahre, bis die Gruselromane eigene Reihen bekamen. Heute sind die Reihen John Sinclair und Professor Zamorra die wichtigsten Serien. Seit 1968 hat es aber eine verwirrend große Anzahl von Heftromanserien gegeben.

Diese Geschichten sind, wie schon erwähnt, Krimis mit Bösewichten aus der Hölle. Der wichtigste Unterschied zu den Krimis ist damit die Atmosphäre der Handlung, die natürlich sehr geheimnisvoll ist und die permanente Präsenz von erotischen Elementen. Das fängt schon mit den Deckblättern an. Es werden angekettete, splitternackte Frauen bei satanischen Zeremonien gezeigt. Ebenso halbnackte geheimnisvolle Hexen und sonstige Geschöpfe der Finsternis erscheinen in verführerischen Posen.

Die Texte mancher dieser Serien waren so explizit, außerdem noch in einer Handlung mit extremer Gewalt, daß sie desöfteren von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert wurden, was zu manchen Einstellungen führte, wie beispielsweise "Dämonenkiller - aus dem Leben eines Exorzisten". Auf den Deckblättern wurden oft völlig nackte Frauen gezeigt, manche ausblutend als Folge eines rituellen Opfers (Dämonenkiller - Das Fest auf dem Teufelshügel). Die Heftromane mit Vampirgeschichten haben in der Regel am meisten Erotik, so beispielsweise die Serie "Vampira - Gefährlich - geheimnisvoll - erotisch" von Bastei Lübbe. Wo ältere Autoren die erotische Ausstrahlung ihrer Vampire nur angedeutet haben, lebt die Protagonistin der Serie, Lilith, diese Erotik aus. Die erotischen Stellen in der zyklischen Handlung sind auch für heutige Maßstäbe freizügig, stellenweise pornographisch.

Wer liest Gruselromane im Heftformat? Hierzu gibt die wissenschaftliche Studie von Professor Walter Nutz, "Trivialliteratur und Popularkultur - Eine Literatursoziologische Analyse". Die Mehrheit der Leser sind jugendliche Männer zwischen 10 und 18 Jahren, doch das Interesse nimmt mit fortschreitendem Alter sehr stark ab. Auch jugendliche Frauen (44%) lesen solche Romane, doch ist ihr Anteil geringer als die Männer, dafür sinkt das Interesse mit dem Alter nicht so stark ab.

Frauen lesen auch nach dem Jugendalter weiterhin Gruselgeschichten, doch in einer extra für Sie geschriebenen Form (Gaslicht, Geisterstunde, Irrlicht), wobei in den Gruselgeschichten auch viel Romantik und Liebe vorkommen. Vom Genre her könnte man fast sagen, daß es Herz- und Schmerzgeschichten mit Gruselelemente sind innerhalb einer geheimnisvollen Atmosphäre, wobei auch Fantasy-Elemente vorkommen. Diese Frauen-Gruselromane haben zwar Spannung, aber wesentlich weniger "Action" als die klassische Variante, die im Wesentlichen ein Krimi ist. Die weiblichen Leser erwarten menschliche Wärme, Liebe und ein Happy End.

Der Martin Kelter Verlag, Herausgeber von Irrlicht und Gaslicht beschreibt diese Romane folgendermaßen: "Die Neigung nach wohligen Schaudergefühlen ist bei der Leserschaft besonders verbreitet, denn diese unheimlichen Stories erzeugen zugleich ein besonders romantisches Ambiente. Gothic-Romane besitzen allgemein einen sehr hohen Stellenwert. Der feingestrickte Liebesroman mit Gänsehauteffekt begeistert alle, die ein Herz für Spannung, Spuk und Liebe haben (Gaslicht)". "Romantic Thriller der Extraklasse sind das Markenzeichen der beliebten Romanreihe GASLICHT. Die Sehnsucht nach Liebe, nach großen romantischen Gefühlen durchzieht und prägt Atmosphäre und Handlung dieser Romane. Feinsinnige Gruseleffekte sorgen zugleich dafür, daß das Geschehen unter die Haut geht. (Irrlicht)".

Die klassische Gruselgeschichte lesen zwar eher junge Leser, doch keineswegs nur solche, mit einer geringen Bildung. 50 % haben Realschulabschluß, 37 % sind Volksschüler, 12 % verfügen über eine höhere Schulbildung. Die Heftromanleser mit einer sehr niedrigen Bildung lesen eher Western. Wenn der Bildungsgrad etwas steigt, greift man zum Gruselroman. Und wer eine hohe Bildung anstrebt (Gymnasium), liest Science Fiction Bücher (Perry Rhodan). Die jugendlichen, männlichen Leser, wollen also in wesentlichen Abenteuer und Action und falls sie eine eher bessere Bildung genießen, Phantasie, auch wenn die Handlung in der heutigen Zeit spielt. In den Gruselgeschichten im Stile von John Sinclair können sich Zombies, Vampire und Dämonen austoben, die Handlung ist bespickt mit Mord, Sexualität, Verbrechen und Helden.

Professor Walter Nutz geht in seinem Buch auch der Frage nach, wieso die Leser die Heftromane überhaupt lesen. Selbstverständlich sind Unterhaltung bzw. "Abschalten" die wichtigsten Motive, was nicht erstaunlich ist. Im Falle der Gruselromane soll dies anhand eines "spannenden" Gruselabenteuers geschehen, das den Leser in eine Phantasiewelt bringt. Das "Abschalten" durch vergessen der Umwelt, in der man sich befindet, ist ein ausgeprägtes Motiv. Das bestätigen auch die Leserrezensionen bei Amazon. Das wichtigste Kriterium in diesen, um ein Buch weiter zu empfehlen, ist "Spannung". Aber gleich danach kommt die Anregung der eigenen Phantasie. Hier einige Beispiele: "Ich habe als Kind "John Sinclair" geliebt. Und es ist wunderbar, daß es dieses Buch immer noch gibt. Diese Spannung - man wird süchtig. Wer sich in die Welt von Geistern und Vampiren verlieren will, soll unbedingt dieses Buch lesen - Spannung pur. (John Sinclair, Mein erster Fall). "Dieses Buch beschreibt faszinierend wie, was und wo John Sinclair etwas erlebt! Man kann sich in dieses Buch hinein versetzen! Es hat beklemmende Parallelen zur Wirklichkeit an manchen Stellen! Bravo!!! Ein Meisterwerk (John Sinclair, Im Haus der Angst). "Leicht zu lesen und kurzweilig, man überfliegt die Geschichten geradezu, nirgendwo eckt man groß an - und wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, entfalten sich durchaus interessante Phantasiewelten (John Sinclair, Hexen - Geister - Teufelsdiener). „Die Folge ist sehr spannend, bei einigen Szenen läuft es einem kalt den Rücken runter" (John Sinclair, Die Drohung).

Walter Nutz gibt ein weiteres Motiv, das auch bei den Zuschauern von langen TV-Serien, wie Soap Operas, zu finden ist, und zwar die Problembewältigung im Alltag. Genauso wie die Fernsehserien, dienen die Heftromanserien als "Lebenshilfe". Die starke Identifikation der Leser mit den Hauptfiguren und die ständige Beschäftigung durch das Lesen mit ihren Abenteuern läßt die Serien zu idealen "Lebensberatern" werden. Die Leser suchen in den Vorgehensweisen und im Charakter der Romanhelden Anweisungen, wie sie selbst das Leben meistern und wie sie selber sein sollen. Die Romanfiguren werden zu Freunden und Vertrauenspersonen, die man regelrecht anhimmelt und nachahmt. In diesem Punkt sind die Heftromane nicht anders als die "Stars" aus dem Fernsehen.

Förderlich hierfür ist die Tatsache, daß die Atmosphäre der Gruselromane geheimnisvoll ist, doch trotzdem findet der Leser eine überschaubare Welt, dessen eigenen Gesetzmäßigkeiten er kennt. Der Jugendliche Leser wandert also in eine ferne Welt voller Gefahren und bösen Wesen, die dennoch überschaubar und letztendlich leicht zu besiegen bleibt. Auf diese Weise kann der Leser durchaus eine gewisse Geborgenheit, die er möglicherweise in der realen Welt vermißt, hier finden. Die sichere Perspektive des Happy End und insbesondere die Selbstsicherheit des Romanhelden vermitteln dem Leser ein Gefühl von Sicherheit, egal wie schlimm die Angriffe der bösen Wesen sind.

Zuletzt soll noch kurz auf den Stil der Heftromane am Beispiel von John Sinclair eingegangen werden. Das erste, was auffällt, wenn man einen solchen Roman in die Hände nimmt, ist die plakative, aber doch detaillierte Art, wie interne Vorgänge, vor allem die Angstzustände der Opfer der bösen Wesen, beschrieben werden. Die Beschreibungen stützen sich auch nicht auf äußere Erscheinungsformen bei den handelnden Personen, sondern sind oft rein innerer Natur. Im John Sinclair-Band Nummer 1500, wird eine Person von einem Vampir bedroht. Die Reaktion des Opfers:[nicht verständlich ohne zweimaliges Lesen] "Saladin hatte recht langsam gesprochen, damit der Albino auch jedes Wort verstand. Und er hatte es gehört. Das zu verkraften fiel ihm allerdings mehr als schwer. Bisher war er stets der Sieger gewesen. Allein durch sein Aussehen hatte er den Menschen Furcht eingeflößt, und nun war es umgekehrt. Er war es, der Furcht empfand. Dieser Glatzkopf war kein Mensch, denn er war derjenige, der in dieser unwirklichen Welt bestimmte." Dann folgt ein Dialog, in welchem der Vampir seinem Opfer langsam klar macht, daß er bald selber zum Vampir gemacht wird. Das Opfer gerät in Panik: "Der Albino schluckte. Er zitterte, seine Hände wollten einfach nicht ruhig bleiben, und dann war ihm plötzlich klar, dass er wirklich ein Gefangener war. Sein Herz fing an, heftiger zu schlagen. Er steckte in der Falle. Er hatte nicht den Hauch einer Idee, wie er aus dieser Welt je wieder flüchten konnte." Das ist der übliche Stil bei John Sinclair, die Angst der armen Nicht-Eingeweihten Menschen darzustellen. Die Angst wird also durchaus sehr anschaulich, wenn auch ziemlich grobschnittig dargestellt. Doch Angst und Panik sind lediglich bei Nebenfiguren relevant, denn die Helden verhalten sich immer selbstsicher und haben eine fast sarkastische Attitüde gegenüber den Bösen. Doch auch bei ihnen läßt der Autor jede Gemütsregung und jeden Gedanken folgen, ohne sich große Mühe zu geben, diese auch äußerlich auszudrücken.

In dieser Hinsicht spielt die Handlung der Gruselheftromane, ebenso wie die gehobeneren Versionen des Horrors, wie beispielsweise Stephen King, insbesondere in der Psychologie der Akteure. Auf diese Weise kann der Leser in der Psychologie der Akteure die tatsächliche Handlung des Romans nachvollziehen und dementsprechend kann er sich in die Handlung hineinversetzen, wodurch der fiktionale Traum entsteht. Nur die inneren Empfindungen und Motive der Bösen werden kaum beschrieben. Diese haben nicht anderes vor, als Böses zu tun. Sie sind praktisch Roboter, die keinen Willen haben und nur das Böse wollen. Der Autor von John Sinclair macht sich kaum die Mühe, die Motive für das böse Handeln des Helden anschaulich zu machen. Sie sind böse, weil sie böse sind und deshalb tun sie eben nur Böses. Für die Leser solcher Heftromane scheint das zu reichen.

Die Beschreibungen von Landschaften, Städten und sonstige physische Orte dienen ausschließlich der Bildung einer geheimnisvollen, eben gruseligen Atmosphäre, in der die Akteure handeln. So gesehen ist der physische Rahmen eine Spiegelung der internen Empfindungen. Weil aber die Heftromane sich stark an Stereotypen halten müssen, damit sich die Leser ab dem ersten Satz in die Handlung einfinden können, werden unzählige Elemente der alten Gothic Novels verwendet, die sofort beim Leser eine gruselige Stimmung verursachen: Mit hohen Steinmauern umfriedete Friedhöfe, alte viktorianische Villen, in denen es Spukt, Keller mit gotischen Gewölben usw. Die physischen Beschreibungen bedienen sich zwar der altbekannten Horror-Paraphernalia, doch sie sind trotzdem nicht unpräzise. Ganz im Gegenteil. Damit eine bestimmte Atmosphäre im Kopf des Lesers entsteht, müssen die Beschreibungen recht exakt und unfassend sein.

Dies ist eines der Gründe, wieso Professor Walter Nutz in seiner Studie "Trivialliteratur" behauptet, daß der schlechte Ruf der Heftromane im Vergleich zum Fernsehen ungerechtfertigt ist. Die Personen in den Heftromanen sind weniger stereotypisch und wesentlich komplexer dargestellt als in den Fernsehserien. Die Handlung schreitet in den Romanen zwar ziemlich überschaubar voran, aber nicht so gradlinig wie im TV. Und vor allem sind die Handlungen der unterschiedlichen Episoden wesentlich abwechslungsreicher als in der Fernsehendlosserien à la "Gute Zeiten-Schlechte Zeiten".

Ein direkter Vergleich von Gruselromanen mit Gruselfernsehserien ist nicht sehr einfach. Die Fernsehserie "Buffy - Im Bann der Dämonen" ist zwar im Wesentlichen eine Gruselgeschichte, doch sie enthält sehr viele Elemente anderer Genres wie Komödie, Liebesschnulze, Fantasy usw. Während sich John Sinclair ziemlich stark an den Beschränkungen der klassischen Gothic-Geschichte hält, ist Buffy eine eklektische Pop-Produktion. Doch der wesentliche Unterschied zwischen Buffy und Schöpfungen wie John Sinclair oder Professor Zamorra ist die Tatsache, daß die Darsteller älter werden und mit ihnen die Zuschauer. Zwar hat man in Buffy versucht, das mit dem Hinzufügen neuer und jüngerer Darsteller, doch das hat seine Grenzen, denn schließlich bleibt Buffy die Heldin. Aus diesem Grund hat sich in Laufe der sieben Jahre Sendezeit das Profil der Serie ziemlich stark gewandelt. Während die Serie am Anfang ein typisches Teen-Drama war, das die üblichen Probleme von Jugendlichen in der Pubertät thematisierte, beinhalteten die späteren Folgen immer mehr und intensiver Elemente wie Magie, weiße und schwarze, Sexualität, bis hin zu Sadomasochismus, Homosexualität usw. Auch wurde die Serie mit den Jahren zunehmend brutaler. Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Romanserien wie John Sinclair und Buffy ist die Präsenz bei letzteren von romantischen Elementen, vor allem durch die Thematisierung der Liebesbeziehung zwischen der Heldin Buffy mit dem Vampir Angel, wodurch die Serie Episodenweise zur völligen Liebesschnulze wird. Trotzdem kann man Buffy nicht in die Kategorie von Gruselromanzen à la Irrlicht oder Mitternachtsroman rechnen, denn dafür sind die Gewaltexzesse zu häufig und bestialisch.

 
 
Stoppt endlich Bravo!

Bundesweite Protestaktion von
"Kinder in Gefahr" gegen die sog. Jugendzeitschrift Bravo.

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