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Die Filmenzyklika Vigilanti Cura von Papst Pius XI
 

Pius XI. war Papst vom 12. Februar 1922 bis zum 10. Februar 1939.

 

Damals waren die Filme schon recht aufwendig gedreht. Die Eintrittsgelder von Millionen waren notwendig, um Gewinn abwerfen, es mußten sozusagen Kassenschlager produziert werden. Die zwanziger Jahre waren aber auch eine Zeit großer moralischer Dekadenz. Nach den Entbehrungen des Ersten Weltkrieges, mit seinen vielen gesellschaftlichen Erschütterungen, suchten viele Menschen besessen nach Lustbefriedigung und Konsum.

Die katholische Kirche sah natürlich diese Entwicklungen mit großer Sorge. Durch die Verstädterung waren die Gefahren für die Seelen der Menschen viel größer als früher. Neue Ideologien, der Sozialismus, der Kommunismus und der Nationalsozialismus verführten die Massen; und diese konnten durch die neuen Entwicklungen der Technik sehr einfach erreicht werden. In die Kinos strömten die Mengen, fasziniert von der Lebendigkeit des Filmes. Papst Pius XI. war keine Person, die die Augen vor den Gefahren schloß oder die Situation zu verschönern versuchte. Seine Worte sind sehr deutlich: Nun ist es gewiß und durch allgemeine Erfahrung bestätigt, daß die Fortschritte der Filmkunst und -industrie, je erstaunlicher sie sich entfaltet hatten, um so verderblicher und verhängnisvoller für die Moral und für die Religion wurden, ja für die ganze sittliche Haltung des bürgerlichen Lebens.

In der Enzyklika gibt Papst Pius XI. einen Katalog der Gefahren, die die damaligen Filme enthielten: Es ist allen bekannt, welch üble Wirkungen unmoralische Filme im Geiste des Menschen hervorbringen. Sie bieten Gelegenheit zur Sünde; sie führen die Jugend auf schlechte Wege, denn sie sind eine Verherrlichung böser Leidenschaften; sie stellen das Leben unter einer falschen Beleuchtung; sie trüben die Ideale, sie zerstören die reine Liebe, die Achtung vor der Ehe, die Verehrung für die Familie.

Man muß sich vor Augen halten, daß die Enzyklika Vigilanti Cura, auch Filmenzyklika genannt, am 29. Juli 1936, also vor 60 Jahren veröffentlicht wurde und sich seitdem die Lage nicht nur im Film verschlechtert hat, sondern daß die Angriffe gegen die Sittlichkeit durch das Fernsehen direkt in die Heime ausgestrahlt werden. Andererseits ist es bewundernswert, mit welcher Weitsicht dieser Papst an die amerikanischen Bischöfe schreibt, denn dieses Dokument ist heute genauso zutreffend wie damals. Würde es jemand lesen ohne das Entstehungsdatum zu kennen, meinte er, es wäre heute geschrieben worden.

Der konkrete Anlaß zum Schreiben dieses Dokumentes waren ermutigende Entwicklungen in USA. Dort bildete sich die erste organisierte Reaktion gegen die moralischen Angriffe der Filmproduzenten, die "International Federation of Catholic Alumnae", die aus Schülerinnen katholischer Hochschulen und Universitäten in den USA bestand. Sie hatten also eine akademische Bildung, oft einen Doktorgrad. Sie sahen alle laufenden Filme und beurteilten sie nach der sittlichen Haltung. Ihre Arbeit, begonnen 1922, war so gründlich, daß die amerikanischen Bischöfe diese Organisation als Grundlage für die "Legion of Decency" machten, eine Neugründung, die die Filmkritik effektiver und einheitlicher organisieren sollte.

Die "Legion of Decency", Legion des Anstandes, veröffentlichte wöchentliche Listen mit Filmbewertungen und wurde sehr einflußreich. Eine ihrer Initiativen war, die Katholiken Amerikas aufzufordern, ein Versprechen abzulegen, keine unmoralischen Filme mehr zu sehen. Der Text des Versprechens lautet:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Ich verurteile unpassende und unmoralische Filme sowie diejenigen Filme, welche das Verbrechen oder die Verbrecher verherrlichen.

Ich verspreche, alles mir mögliche zu tun, um die öffentliche Meinung in der Verurteilung unpassender und unmoralischer Filme zu bestärken und mich denen anzuschließen, welche gegen solche Filme Protest erheben.

Ich verpflichte mich, gewissenhaft mich über die Filme zu informieren, welche mein sittliches Leben gefährden könnten. Als Mitglied der "Legion des Anstandes" verpflichte ich mich, ihren Vorführungen nicht beizuwohnen. Ich verspreche endlich, mich von den Lichtspieltheatern fernzuhalten, welche solche Filme regelmäßig und absichtlich vorführen.

Dieses Versprechen leisteten Millionen von amerikanischen Katholiken.

In diesem Versprechen kann man gut den Geist der "Legion of Decency" erkennen. Sie war sich sehr bewußt, daß die Unmoral im Film die Grundlagen der Gesellschaft erschütterte. Wie ich schon oben gesagt habe, war schon damals der Zulauf zu den Kinos enorm hoch. Die katholische Öffentlichkeit war darüber entsetzt und fürchtete das Schlimmste. Das hat sie bewogen, entschlossen gegen dieses Malheur vorzugehen und militant die Regeln der Sittlichkeit öffentlich zu verteidigen und zu praktizieren. Vor allem war sie sich einig, daß man die öffentliche Meinung für diese Ziele gewinnen mußte. Man wollte sich nicht einfach begnügen, selber von dieser Unmoral verschont zu bleiben, sondern wollte, daß die Gesellschaft gesund bleibt. Deshalb ist im Versprechen die Absicht gegeben, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, damit sie diese schlechten Filme verurteilt.

Papst Pius XI. sparte in seiner Enzyklika nicht an Lob für diese Organisation: Es war für Uns ... überaus trostreich, die Früchte zu sehen, die schon geerntet sind, und die immer noch anhaltenden Fortschritte jener vorsorglichen Tätigkeiten, die vor mehr als zwei Jahren gegen die Mißbräuche in den Kinovorstellungen begonnen wurde: Wir meinen jenen heiligen Kreuzzug, der insbesondere der "Legion des Anstandes" anvertraut war.

Dieser ausgezeichnete Versuch gibt Uns die freudig ergriffene Gelegenheit, in umfassender Weise Unsere Gedanken über eine Angelegenheit zu äußern, die so nahe das moralische und religiöse Leben des gesamten christlichen Volkes berührt. ...

... Es ist von größter Bedeutung, den beachtenswerten Erfolg dieses Kreuzzuges hervorzuheben, daß das Filmwesen unter Eurer Wachsamkeit und unter dem Druck der aufgerufenen öffentlichen Meinung sich tatsächlich moralisch hob: verbrechen und Laster erscheinen seltener auf der Leinwand; die Sünde wurde nicht so offen gebilligt und verherrlicht; falsche Lebensauffassungen zeigten sich nicht mehr in dieser aufreizenden Art vor den Augen der empfänglichen Jugend.

Es lohnt sich an dieser Stelle zu bemerken, daß die Arbeit der "Legion of Decency" nicht nur daraus bestand, Filme zu verurteilen, die offensichtlich das Laster verherrlichten, was zum Beispiel heutzutage Filme mit pornographischen Szenen tun. Ihre Analyse und Kritik ging viel tiefer und verurteilte auch, wie es der Heilige Vater bemerkte, die "falschen Lebensauffassungen", das heißt, Filme die vielleicht nicht Sünden zeigten, aber zu einer Lebensweise verführten, die dem Geist des Evangeliums entgegengesetzt ist. Das geschieht im Film oft in einer subtilen Art und Weise, die vor allem von Kindern und Jugendlichen nicht bemerkt wird. Diese Gedanken werden später vom Nachfolger von Papst Pius XI., Pius XII. fortgeführt und vertieft.

Die Filmenzyklika behandelte seelsorgliche Fragen, die das moderne Filmwesen aufgeworfen hatte und richtete sich zuerst an die amerikanischen Bischöfe. Sie war gewissermaßen eine Antwort auf einen Bericht über die Methoden und die Erfolge der "Legion of Decency". Diese Enzyklika wirkte dann weit über Amerika hinaus und war auch nach dem Krieg ein viel zitiertes Dokument. In Deutschland wurde sie erst nach 1945 bekannt, da sie während des Nazi - Regimes kaum verbreitet wurde.

Ihre Bedeutung ist, daß hier zum ersten Mal umfassende Richtlinien für den Klerus und die Laien für die Behandlung des Filmwesens festgelegt wurden. Das war auch das Anliegen des Papstes der in der Einleitung sagt: Aber der Gegenstand ist von solcher Bedeutung, nicht bloß seiner selbst wegen, sondern auch wegen der Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft, daß Wir es für notwendig erachten, noch einmal darauf zurückzukommen. Und zwar soll das nicht bloßunter besonderen Gesichtspunkten geschehen, wie bei den früheren Gelegenheiten, sondern mit einem umfassenden Blick auf die Erfordernisse nicht nur in Euren Diözesen, Ehrwürdige Brüder, sondern des ganzen Erdkreises.

Die späteren Dokumente gehen auf dieses zurück. Man kann sagen, daß es der Grundstein ist, auf den sich alle päpstlichen Aussagen der Päpste zu diesem Thema stützen. Immer wieder wird es später zitiert. Es war auch maßgebend für die kirchliche Arbeit gegen die unmoralischen Filmen. In vielen Ländern wurden von den Bischöfen Kommissionen gebildet, die Filmbewertungen vornehmen sollten um die Zuschauer in spezialisierten Zeitschriften zu informieren. Die Arbeit dieser Kommissionen hielt sich an die Richtlinien der Filmenzyklika.

Das geschah nicht zuletzt aufgrund der vehementen Mahnung des heiligen Vaters an die Bischöfe der ganzen Welt, entschlossen und hart gegen diese Plage vorzugehen: Es ist aber auch die Pflicht der Bischöfe der ganzen katholischen Welt, sich dahin zu einigen, daß sie diese allgemeine und einflußreiche Form der Unterhaltung und der Unterweisung überwachen, daß sie als Beweggrund ihrer Verbote geltend machen die Beleidigung des sittlichen und religiösen Empfindens und alles dessen, was dem christlichen Geist und seinen ethischen Prinzipien zuwiderläuft, was dazu beiträgt, den Sinn für gute Sitte und Ehre im Volke zu schwächen. Und später in derselben Enzyklika mahnt er in scharfen Ton an, nicht zu erlahmen und die Wachsamkeit zu vernachlässigen: Statt dessen muß nun eine nicht erlahmende und allgemeine Wachsamkeit die Produzenten überzeugen, daß man die "Legion des Anstandes" nicht gegründet hat für einen Kreuzzug kurzer Dauer, daß man sie übergehen oder vergessen könne, sondern daß die Bischöfe der Vereinigten Staaten entschlossen sind, die moralisch einwandfreie Unterhaltung des Volkes, koste es was es wolle, zu jeder Zeit und unter allen Umständen zu schützen. Immer wieder macht der Heilige Vater darauf aufmerksam, daß die Regeln der Beurteilung eines Filmes die Prinzipien und der Geist des Evangeliums sind. Man darf nicht eine Kritik schreiben, die eine laizistische Prägung hat, sondern die moralischen Aspekte müssen stets betont werden. In den Verurteilungen und Unterweisungen der Gläubigen muß das sittliche Empfinden, die Wahrnehmung von Gut und Böse gestärkt werden. Und dazu ist nicht ausreichend, daß man auf die offensichtlichen Verstoße gegen die Moral aufmerksam macht, sondern auf alles, was dem christlichen Geist zuwiderläuft. Somit ist auch die Lösung für sämtliche Probleme der Filmproduktion gegeben: Das Problem der Produktion moralisch einwandfreier Filme wäre in der Wurzel gelöst, wenn man eine Produktion einrichten könnte, die vollkommen von den Prinzipien des Christentums beherrscht wäre.

Die scharfen Worte des Papstes sind nicht unbegründet. Er zeigt in seiner Enzyklika, daß er durchaus die psychologischen Effekte des Filmes kennt, die die Verführung der Massen um so leichter machen. Er beschreibt in welchem Umfeld die Filme gesehen werden und auch den Zuschauer beeinflussen. Analysieren wir zum Beispiel folgenden Ausschnitt: Dazu hat der Film meist in seinen Dienst genommen die Musik, luxuriöse Räume, realistische Kraft und jeden Einfall extravaganter Laune. Eben dadurch fasziniert er in ganz besonderer Weise die Jugend, die Halbwüchsigen und selbst die Kinder. Also gerade in dem Alter, in dem sich der moralische Sinn zu bilden pflegt, in dem sich die Begriffe und die Empfindungen von Gerechtigkeit und Rechtlichkeit, von Aufgaben und Pflichten überhaupt von Lebensidealen entwickeln, nimmt der Film mit seiner unmittelbaren Wirkung eine besondere Stellung ein.

Was Papst Pius XI. im Auge hat, ist die Wirkung des Ganzen auf den Zuschauer. Die Filmwelt beeindruckt den Kinobesucher durch die Traumwelt in die er eindringt. Die Verwendung von Mitteln, die stark die Sinne ansprechen, gibt ein Gefühl großer Realitätsnähe. Unter diesen Umständen versteht man, daß ein Kind oder ein Jugendlicher alles aufnimmt, was er sieht, ohne dabei nachzudenken. Er ist vom Geschehen und den Darstellern fasziniert, was -wie der Heilige Vater sagt- ganz besonders die Entwicklung seiner Lebensideale und Werte beeinflußt. Er nimmt die Handlungen der Akteure auf, für die er entweder Sympathie oder Abneigung empfindet und wird sie später als Modelle benutzen. Die Filmdarsteller übernehmen somit die Rolle, die früher zunächst die Eltern, dann der etwas weitere Familienkreis und später andere Personen, die im Laufe seiner Entwicklung in seinem Leben wichtig wurden. Die Familie als Erziehungsinstitution und als Vermittlerin von Werten und Modelle wird durch den Film ersetzt. Heute tut dies das Fernsehen.

Am Ende der Enzyklika gibt Papst Pius XI. zahlreiche Anleitungen für den Klerus und die Laien, die sich in dieser Angelegenheit engagieren. Wie ich schon erwähnt habe, haben diese Anweisungen lange die kirchliche Filmarbeit geprägt. In Deutschland wurden sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg in die Praxis gesetzt.

 
 
Stoppt endlich Bravo!

Bundesweite Protestaktion von
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